Jedes Jahr veranstaltet
Sun Microsystems eine anderthalbtägige Konferenz für die Sales Engineers der Sun-Partner. Dieses Jahr in Berlin. Weil meine Kollegen und ich gerne ausgeschlafen an Vorträgen teilnehmen, sind wir schon sonntags angereist. Dummerweise bei Regenwetter, so dass wir den Sonntag Nachmittag in Berlin nicht wirklich nutzen konnten.
Untergebracht sind wir in einem nagelneuen Hotel in der Friedrichstraße. Eines jener Business-Hotels, wo einen der Fernseher mit Namen begrüßt, wenn man ins Zimmer kommt. Meiner hat dazu auch noch Radio gedudelt, irgend einen Song aus dem unsäglichen, neuen Scorpions-Repertoire. Zu meinem Glück war auf die Schnelle nichts greifbar, das sich als Wurfwaffe geeignet hätte...
Montag morgen war das Wetter dann schon was besser. Trocken und sogar ein kleines bisschen Sonne. Nach dem Frühstück also noch ein bisschen Beine vertreten. Die Vorträge beginnen erst um 12h. Mit einem
Welcome Snack. Wir sind also erstmal über Museumsinsel, Palast der Republik, Rotes Rathaus bis zum Alex und wieder zurück zum Hotel. Zeitlich passend zur Registrierung für die Konferenz. Mittagshappen und los geht's. Novum: Die
Namensschilder fungieren dieses Jahr auch zum
Tagging. Analoges
Web 2.0. Nette Idee. Analoge
Tag-Clouds wären bestimmt witzig geworden :-)
Über die Vorträge darf ich nicht viel schreiben: Ich musste ein
CDA unterschreiben und habe das mit meiner Vortragszusammenstellung auch weidlich genutzt: Ich habe alle Vorträge besucht, für die ein solches CDA erforderlich war. Und noch einige wenige mehr.
Ein bisschen was kann ich dann aber doch erzählen:
LDoms sind ziemlich cool, auch die Performance der virtualisierten Maschinen verspricht sehr akzeptabel zu werden. Die dazu notwendige Firmware auf den Servern und der zugehörige Ldom-Manager sind leider noch nicht angekündigt. Wird also noch ein paar Tage dauern, bis ich damit rumspielen kann.
Als nächstes ein Vortrag über
Honeycomb, auch bekannt als
Sun StorageTek 5800 Storage System. Das ist der Übergang von block- bzw. fileorientiertem Storage hin zu objektorientiertem Storage. Anders gesagt: Das Storage Device, also die Platte, bekommt Intelligenz und weiss, was auf ihr für Daten liegen, kennt sozusagen die Objekte. Jedes Objekt hat deutlich mehr Metainformationen, als das heutige Filesysteme in
Inodes bieten. Ein Directory-Tree wird dann ganz einfach zu einer bestimmten View auf die Objekte. Ein anderer User kann aufgrund anderer Anforderungen eine völlig andere Sicht auf die Daten benötigen und bekommt entsprechend seinen Directory-Tree völlig anders präsentiert. Am einfachsten vergleichen läßt sich das mit Views in Datenbanken. Auch Datenbanken arbeiten objektorientiert. Nicht zu verwechseln übrigens mit
objektorientierter Programmierung, das ist nochmal was anderes! Der prinzipielle Aufbau eines solchen Honeycomb-Systems: 16 kleine Server (typischerweise 1HE) mit einer oder mehreren Platten drin werden zusammen zu einer Zelle verschaltet. Ein System kann aus einer oder mehreren Zellen bestehen. Daten werden nach einem
Reed-Solomon Algorithmus auf mehrere dieser Nodes verteilt abgelegt. Dabei wird auch genügend Redundanz erzeugt, um den Ausfall von mehr als einem Node problemlos zu verkraften. Im Vortrag wurde für so eine Anordnung der Begriff
RAIN eingeführt:
Redundant
Array of
Inexpensive
Nodes. Sehr passend, wie ich finde. Problem im Moment: Um auf so ein System zugreifen zu können, ist noch die passende Client-Software erforderlich. Es wird noch eine Menge Überzegungsarbeit brauchen und es muss ein Umdenken bei IT-Verantwortlichen wie Admins passieren, bevor diese Art Storage in breiter Masse akzeptiert wird. Ich find's einen sehr geilen Ansatz, Daten abzulegen und wieder zu finden. Sun nennt das übrigens
Content Aware Storage, im Gegensatz zu EMC: deren
Centera hat lediglich den Anspruch, ein
Content Adressable Storage zu sein. Dummerweise ist das Akronym in beiden Fällen das gleiche...
Den zweiten Tag eröffnen traditionell die Product Marketing Manager mit einem Blick auf die Roadmaps der CPUs, Systeme, Storage und Software. An der Stelle muss ich wieder meinen Schnabel halten. In den gleichen Bereich – incl. des Schnabelverbots – gehören die beiden letzten Vorträge der Veranstaltung, wo es konkret um neue CPUs (Olympus, Jupiter, Niagara-2, Rock) und neue Systeme ging, insbesondere die unter
APL zusammengefassten Volume- und Datacenter-Server der nächsten Generation. Und meine seit zwei Jahren getroffene Aussage, dass
SPARC quasi tot sei, muss ich
für's erste revidieren. Die aktuelle Planung sagt, es wird noch einige Jahre damit weiter gehen. Es kommen spannende, interessante und schnelle CPUs. Dem Ruf als Technology Company macht Sun mal wieder alle Ehre.
Neue Wörter habe ich auch gelernt: tafeldumm ist man, wenn man vor einem Auditorium steht, eine komplizierte Frage gestellt bekommt, die aber – weil nicht genügend Ruhe und Konzentration vor dem Auditorium – lieber offline und in Ruhe beantworten möchte, bevor man was dummes, unüberlegtes raus läßt. Und ein Ghetto-RAID heisst so, weil es ein Billig-RAID aus billigen SATA-Platten ist
:-)
Ein paar wenige Impressionen zur Veranstaltung
hier. Zum Abschluß gab's natürlich das obligatorische T-Shirt. Dieses Jahr in schickem hmmm... sagen wir mal hellblau dazu. Den Rückweg zum Flughafen haben wir mit Limousinen-Service angetreten, weil wir keinen Bock hatten, zusammen mit 200 anderen Teilnehmern auf ein freies Taxi zu warten. Also haben wir uns im abgedunkelten Van nebst Chauffeur vorm Hotel abholen und nach Berlin Tegel kutschieren lassen. Sehr gediegen
:-)
Fazit: Nach einem argen Durchhänger vor drei Jahren in Stuttgart und vor zwei Jahren in Bad Kissingen, hat das Niveau der Veranstaltung wieder deutlich angezogen und kann sich hoffentlich halten bzw. noch weiter verbessern. There's always room for improvement.